Türchen am 24. Dezember

24. Dezember 2020

Heiliger Abend – Gegenbilder

Es ist es mitten in der Nacht – in einer völlig unbedeutenden Ortschaft geschieht etwas ausserordentliches. In einem unbedeutenden Nebengebäude einer völlig unbedeutenden Herberge ereignet es sich. Völlig unbekannte Menschen werden plötzlich bedeutend. Die Hirten, völlige Aussenseiter der Gesellschaft in der damaligen Zeit, sie sollen die ersten sein, die es erfahren, sollen Botschafter werden.

Das Bild einer Geburt eines Kindes soll von jetzt an den Menschen ein Bild von Zukunft – von guter Zukunft sein.

Es sind Gegenbilder – nicht Königskind im Schloss – sondern in der Krippe. Nicht am gleissenden Tag oder unter hellen Scheinwerfern – sondern in der Nacht.

Die Nacht – immer als Gegensatz zum Tag gesehen – oft auch negativ gesehen. Die Helle, das gute. Die Finsternis, das schlechte.

Selbstverständlich - früher war die Nacht wohl noch bedrohlicher, als heute – heute mit dem elektrischen Licht können wir die Nacht verscheuchen – taghell leuchten die Scheinwerfer im Fussballstadion.

Selbstverständlich können uns Nächte auch sehr lang werden – wenn wir daliegen und nicht schlafen können, wenn wir vielleicht Schmerzen haben, traurig sind, einsam sind. Und wo wir uns danach sehnen, dass es endlich Morgen wird.

Doch das eine gibt’s nicht ohne das andere.

Ohne Nacht, ohne unseren Schlaf wären wir am Tage wohl nicht lange auf den Beinen.

Oder ich finde es immer wieder sehr schön, in einer klaren dunklen Nacht den Sternenhimmel zu betrachten und die verschiedenen Sternbilder zu suchen – da wird auch vieles wieder relativ, was ich manchmal als das Absolute meine zu verstehen, verstehen zu müssen

An Weihnachten und mit der Weihnachtsgeschichte bekommt die Nacht wirklich auch ihre positive Seite – wir kennen das Lied von der "Stillen und der Heiligen Nacht" – also in dieser Geschichte selber wieder ein Gegenbild.

Und zuletzt noch einmal von einer anderen Seite betrachtet: Wir gehen ja selber manchmal auf unserem Lebensweg durch dunkle und finstere Abschnitte – und das ist wirklich manchmal ja nicht sehr leicht, weil man den Weg, seinen Weg ja verlieren könnte, weil man ihn vielleicht gar nicht sehen kann. Aber alle die bisherigen Gedanken – vor allem das Bild der Hirten in der finsteren Nacht – gibt doch Anlass, auch auf den dunklen Abschnitten darauf zu vertrauen, dass immer mal wieder ein Licht aufgeht und dem man dann folgen kann.

Die Nacht ist als Bild von Durchgang zu etwas Neuem.

Ich wünsche euch allen ein hoffnungsvolles Weihnachtsfest – trotz allem.